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Urlaub in Corona-Zeiten: Menschen aus NRW zieht es an die Nord- und Ostsee

Urlaub in Corona-Zeiten : Menschen aus NRW zieht es in diesem Jahr an die Nord- und Ostsee

Die Menschen aus NRW wollen auch in diesem Jahr nicht auf ihren Sommerurlaub verzichten. Neue Suchdaten zeigen, dass das Interesse an Urlaub im eigenen Land steigt. Vor allem Campingplätze sind jetzt gefragt.

Wegen des Coronavirus wollen mehr Menschen ihren diesjährigen Urlaub in Deutschland verbringen statt etwa wie gewohnt in Spanien, Italien oder der Türkei. Mit Beginn der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen und fünf weiteren Bundesländern waren am vergangenen Wochenende zahlreiche Besucher an den deutschen Küsten unterwegs.

Der ein oder andere Badeort stieß zeitweise sogar an seine Kapazitätsgrenzen. In den Urlaubsorten Scharbeutz und Haffkrug an der Ostsee waren zwischenzeitlich die Grenzen für Parkplätze und für den Strand erreicht. Der ganz große Ansturm auf Deutschlands Küsten und die erwarteten Staus blieben am Wochenende allerdings aus.

Deutschland ist das meistgesuchte Urlaubsland

Grundsätzlich ist der Urlaub im europäischen Ausland seit dem 15. Juni wieder möglich. Mit dem Stichtag wurde die von der Bundesregierung verhängte Reisewarnung für 31 europäische Staaten aufgehoben. Doch neuste Daten von HomeToGo, die nach eigener Auskunft weltweit größte Suchmaschine für Ferienunterkünfte, zeigen, dass Menschen aus NRW in diesem Jahr trotzdem nicht weit reisen wollen.

Stattdessen wächst ihr Interesse am Urlaub im eigenen Land. Laut HomeToGo war das meistgesuchte Land von Menschen aus NRW bei der Suche nach Ferienwohnungen innerhalb der letzten fünf Wochen Deutschland. Im Vergleich dazu: Vor Ausbruch der Corona-Krise lag im Januar 2020 noch Kroatien auf dem ersten Platz der meistgesuchten Länder, Deutschland landete damals auf Platz Drei. Italien rutschte zwischenzeitlich vom zweiten auf den fünften Platz. Spanien verschwand ganz aus der Liste der Top10-Länder.

Eine aktuelle Umfrage der ARD bestätigt die Ergebnisse von HomeToGo: Laut dem ARD-Deutschlandtrend wollen 51 Prozent der insgesamt 1.068 Befragten in diesem Sommer gar nicht verreisen. 35 Prozent planen einen Urlaub in Deutschland. Lediglich 17 Prozent möchten ins europäische Ausland verreisen.

Menschen aus NRW zieht es vor allem an Ost- und Nordsee

Neben der zehn meistgesuchten Länder hat die Suchmaschine die 25 am häufigsten gesuchten Reiseziele von Menschen aus Nordrhein-Westfalen im Zeitraum zwischen dem 15. Mai und 26. Juni 2020 ausgewertet. Ost- und Nordsee sind demnach die unangefochtenen Spitzenreiter unter den Reisezielen für die Sommerferien 2020.

Dafür sei allerdings nicht allein die Corona-Krise verantwortlich. „Die Ost- und Nordsee waren nicht nur in diesem und im letzten Jahr sehr beliebt“, bemerkt Jonas Upmann, PR-Leiter von HomeToGo. „Das ist immerhin das einzige Meer, das wir haben. Außerdem gibt es dort sehr schöne und vor allem lange Strände“, erklärt Upmann. Dennoch verzeichne man in diesem Jahr definitiv eine größere Nachfrage an Urlaub an der deutschen Küste.

Unterkünfte gebe es an Ost- und Nordsee trotz der bereits gestarteten Sommerferien nach wie vor. Allerdings müsse man flexibel sein bezüglich des Reisedatums oder der Nähe zum Strand. Eine coronabedingte Preissteigerung nehme Upmann dabei allerdings nicht wahr. „Ferienunterkünfte sind ein traditionsreiches und langfristiges Geschäft. Es wäre nicht sinnvoll, die Preise jetzt anzuheben“, erklärt er.

Geringe Nachfrage an Urlaub in europäischen Ländern

Insgesamt 18 deutsche Reiseziele befinden sich unter den 25 meistgesuchten Reisezielen im Zeitraum der letzten fünf Wochen – im Januar 2020 waren es lediglich zwölf. Neu hinzugekommen sind neben den Klassikern an Ost- und Nordsee, in Bayern, am Bodensee oder auf Sylt auch die Regionen Brandenburg und der Spreewald.

Die Nachfrage an Urlaub in europäischen Ländern wie Italien, Frankreich oder Spanien hat dagegen massiv abgenommen. War Italien im Januar 2020 noch fünf Mal unter den 25 meistgesuchten Reisezielen, schaffte es nur noch der Gardasee in das Ranking, auf Platz 15. Die Reisewarnung des Auswärtigen Amts für Mallorca ist zwar aufgehoben und auch die Quarantänepflicht gilt nicht mehr, doch Deutschlands Ferieninsel Nummer Eins verschwand vom einstigen dritten Platz hinter Ost- und Nordsee, auf Platz elf.

In NRW boomen autarke Ferienunterkünfte

Tourismusverbände aus NRW bestätigen den Trend der Suchmaschine. Auch die regionalen Verbände nahmen in den vergangenen Wochen ein verstärktes Buchungsverhalten für die Sommerferien wahr. Vor allem die Campingbranche und autarke Unterkünfte wie Ferienhäuser oder Ferienwohnungen boomen: „Die Campingplätze im Sauerland bekommen täglich Anfragen und sind mehr als ausgelastet“, erklärt Rouven Soyka von Sauerland-Tourismus auf Anfrage. Besonders beliebt seien die Ferienorte an großen Seen. „Das Wasser und die Natur lockt“, so Soyka. Jonas Upmann von HomeToGo bestätigt: „Freistehende Häuser werden mehr gebucht als sonst. Das Sicherheitsgefühl scheint sehr stark zu sein, die Reiselust aber auch.“

Die Bonn-Information verzeichnet eine moderate Nachfragesteigerung nach den eigenen Produkten wie Stadtrundgängen und Gästeführerbuchungen. Auffällig ist die verstärkte Anfrage von Kleingruppen wie etwa Familien, die die Stadt in diesem Jahr lieber mit einem eigenen Gästeführer erkunden möchten, als sich an einem festen Termin einer größeren Gruppe anzuschließen. Rückschlüsse auf den eigentlichen Heimatort der Besucherinnen und Besucher, sprich ob es sich um Tages- oder Übernachtungsgäste handelt, sind allerdings nicht möglich, berichtet die Tourismus und Congress GmbH für die Region Bonn, Rhein-Sieg und Ahrweiler.

Ferienwohnungen, kleine Hotels und Pensionen seien in den ländlichen Gebieten des Kreises sehr gefragt. Neben Urlaubern aus ganz Deutschland, gebe es viele Gäste aus der näheren Umgebung.

Buchungen bleiben unter Vor-Corona-Niveau

Der Tourismusverband Münsterland schwächt die Zahlen hingegen etwas ab. „Die Buchungen liegen bei uns nach wie vor unter Vor-Corona-Niveau“, sagt Michael Kösters, Leiter des Bereichs Tourismus bei Münsterland e.V.. Den Boom, den Bayern und die Nord- und Ostseeküste verzeichnen, gebe es bei ihnen nicht. „Ein Fall wie bei Tönnies macht sich bei uns natürlich auch bemerkbar.“ Nach dem Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück hätten die Stornierungen deutlich zugenommen.

Mittlerweile sind die meisten Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen auch in den Städten wieder geöffnet, doch die Nachfrage an Städtereisen bleibt gering. Tonia Haag von NRW Tourismus bemerkt: „Die Nachfrage an den ländlichen Regionen ist deutlich höher als in den Städten.“ Inzwischen gebe es zwar viele Lockerungen, aber gerade die Städte lebten von den Events, die dort stattfinden und ein großer Reiseanlass seien. „Die gibt es momentan einfach nicht und dementsprechend zieht es die Menschen auch nicht in die Städte“, so Haag.

Einschränkungen für Urlauber aus dem Kreis Gütersloh

In aller Regel können Deutsche trotz der anhaltenden Corona-Regeln im eigenen Land unkompliziert Urlaub machen. Reisende aus einem Landkreis mit hohem Corona-Infektionsgeschehen müssen allerdings derzeit noch mit Einschränkungen rechnen. Sie dürfen nur dann in einem Hotel untergebracht werden, wenn ihnen ein ärztliches Zeugnis bestätigt, dass sie keine Infektion haben. Das geht aus einem Beschluss des Chefs des Bundeskanzleramtes und der Leiter der Staats- und Senatskanzleien der Länder vom Freitag hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Das benötigte ärztliche Zeugnis „muss sich auf eine molekularbiologische Testung stützen, die höchstens 48 Stunden vor der Anreise vorgenommen worden ist“.

(Mit Material von dpa)