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Bericht des Deutschen Handelsverbandes: Der Einzelhandel ist wirtschaftlich tief gespalten

Bericht des Deutschen Handelsverbandes : Der Einzelhandel ist wirtschaftlich tief gespalten

Der Onlinehandel läuft gut, die Modegeschäfte klagen. Dies ist kurz gesagt das Ergebnis der Statistiker des Deutschen Handelsverbandes.

Online Hui, Mode Pfui – so lassen sich die Einzelhandelsdaten der Statistiker aus Wiesbaden auf den Punkt bringen. „Der Bekleidungshandel leidet nach wie vor sehr unter der Corona Krise, die Händler kommen immer mehr und in schwierigere Probleme“, sagt Stefan Hertel vom Deutschen Handelsverband HDE. „Die sind weit entfernt davon dass sich die Lücke, die sich da aufgetan hat in den letzten Monaten, schließen würde“.

Unter dem Strich aber werden die Löcher in den Kassen mancher Einzelhändler geschlossen durch den in der Krise boomenden Onlinehandel. „Die Schere geht auseinander. Wir haben das Phänomen, dass es für die gesamte Branche relativ normal aussieht. Innerhalb der Branche aber für manche extrem schlecht und für manche extrem gut“. Insgesamt lag der Einzelhandelsumsatz im Juni 1,4 Prozent über dem Vorkrisenniveau. Im Vergleich zum Juni 2019 lagen die Umsätze demnach preisbereinigt sogar um knapp 6 Prozent höher.

Während Modehändler, Schuhläden und Kaufhäuser in Deutschlands Innenstädten rund 16 Prozent Umsatzeinbußen beklagen, verzeichnet der Onlinehandel im Juni Steigerungen seiner Geschäfte um über 30 Prozent. Die Statistiker sehen das natürlich ebenfalls als Folge von Krise und Lockdown, weil Konsumenten notgedrungen für ihre Einkäufe vermehrt Onlineshops ansteuerten – und noch immer ansteuern. „Der Onlinehandel profitiert auch davon, dass viele Menschen den persönlichen Kontakt zu anderen Menschen aus Angst vor einer Infektion eher meiden und deswegen viele Dinge online bestellen“, sagt Stefan Hertel. Die deutliche Steigerung im Onlinegeschäft sei „selbst in dieser sehr dynamischen Branche ungewöhnlich“, erklärte das statistische Bundesamt in seiner Meldung. Diese Tendenz jedenfalls gefährdet die stationären Modehändler umso mehr.

Ware ist naturgemäß stark saisonal

Schwer haben sie es auch, weil ihre Ware naturgemäß stark saisonal ist: Was sie im Sommer an Kleidungsstücken nicht verkaufen, können sie im Winter nicht in ihre Auslagen hängen. Anders beim Möbelhandel, im Handel mit Haushaltsgeräten oder Baumaterialien. Dort dürfte der im Juni verzeichnete Zuwachs von fast 15 Prozent zum Teil eben auch auf aufgeschobene und nachgeholte Käufe zurückzuführen sein. Der Handel schließlich fürchtet nun vor allem eine mögliche zweite Infektionswelle in Deutschland. Holger Bahr, Volkswirt der Deka-Bank, hält einen weiteren massiven und generellen Lockdown, wie ab März aber für unwahrscheinlich. „Über das Winterhalbjahr werden wir wohl wieder steigende Fallzahlen haben. Aber einen kompletten Lockdown, wie das im März April Mai der Fall war, ist aus meiner Sicht auszuschließen“.

Damit sich die Lage für viele Einzelhändler verbessert und nicht wieder verschlimmert, appelliert der Handelsverband HDE an seine Kunden, sich an die Corona-Abstands- und Vorsichtsregeln zu halten. „Lassen Sie uns das Erreichte nicht kaputt machen“, sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser.